Irgendwie war gestern alles mit dabei. So wie im echten Leben eben auch. Nicht, dass das hier nicht mein echtes Leben wäre, aber eine ganze Weile gab es andere Baustellen und ich hatte mich sehr zurückgezogen und war kein „wertvoller Teil“ der Gesellschaft. So dachte ich. Oder viel mehr fühlte ich es so.
Wenn es einen Tag gab, der überraschenderweise am Abend ein Lächeln hinterließ, war das eher die Ausnahme. Und heute, heute kehrt es sich sehr langsam aber wunderbarerweise um. Und das nicht weil es immer alles ganz reibungslos läuft. Meistens sogar nicht. Sondern vielmehr, weil ich meine Sicht auf die Dinge ändern konnte.
Manchmal schaffe ich es sogar, dass mir ein fassungsloses Lachen nach einem (kurzen ; ) Ärgernis den Groll wegwischt. „Da habe ich wieder was gelernt“, denk ich dann!
Und als also gestern früh das Gewitter alle Stickigkeit meiner aufgeheizten Dachwohnung davon wusch, worüber man sich freuen konnte, war mir andererseits klar, dass ich in dem Regen mit meinem ganzen Equipment nicht trockenen Fußes zu meiner Yoga Nidra Stunde zum Weltyogatag kommen würde. Yoga, das heißt übersetzt auch „Verbindung“ oder „Vereinigung“. Und noch dazu am Tag der Sommersonennwende, dem Höchststand der Sonne der nördlichen Hemisphäre.
Ich wollte vom Zenit des Lichtes sprechen und dem inneren Feuer, der Ausrichtung auf die Stärken, die wir bereits in uns trugen und dann war es einfach nur finster als ich bei Kerzenschein in meiner Küche saß.
Zwischen den Vorbereitungen in der Kirche brachten mich dann noch drei klitschnasse Pilger aus dem Konzept, die in der Kirche ihren Pilgerpass sehr gerne und nachdrücklich gestempelt bekommen hätten und am Ende bezeugte ich die bitteren Tränen und passiv aggressiven Vorwürfe einer älteren Dame, die sich einem Ihrer vertrauten Orte beraubt fühlte.
Und dann kam mir eben beim Nachsinnen ein Clip in den Sinn, den ich vor einiger Zeit gesehen hatte. In diesem teilte jemand seine Sicht auf die Welt – und zwar insbesondere darüber, wie Menschen sich auf heilige Orte berufen, um dort die Praxis der Gemeinschaft huldigen zu können. Aber Mitmenschlichkeit die sich auf nur einen Ort begrenzt ist schlicht keine. Rituale, die nur eine Form wahren aber deren Inhalt nicht andockt, bleiben leere Schablonen.
Überall wohin wir gehen, können wir unser Miteinander (positiv) gestalten. Nicht nur in Freundschaft und Familie. Da sowieso, hoffentlich. Sondern vielmehr mit jedem, der unseren Weg kreuzt. Anderen einen Vorwurf zu machen, die weder involviert waren und jetzt in dieser Situation sogar noch verständnisvoll reagieren, weil man einen Verlust im Außen auch in sich spürt, drückt vieles aus, setzt aber vor allem andere ins vermeintliche Unrecht.
Das ist mir heute, einen Tag später klar geworden.
Denn in einer Welt, in der wir ständig ein Miteinander predigen es aber nicht leben, ergibt auch ein Angebot von integrativen Formaten für jede Altersklasse und jede Form von Körper nur Sinn, wenn wir uns dem öffnen wollen. Aber wo lernen wir das?
Über all unsere Aufgaben im Alltag, die jeder einzelne zu erfüllen hat, liegt der Fokus oft auf dem Endergebnis. Auf dem Schaffen! Dem Haben. Dem Eigenen. Aber nicht dem Inneren (Frieden damit).
Vielleicht ist es möglich diesen Fokus mehr und mehr zu schiften. Auf den Weg „dorthin“. Auf die Seitenlinie und das Stolpern, wenn was unerwartetes oder unliebsames passiert und dem WIE, wenn man dann damit umgeht.
Der älteren Frau hätte ich gerne eindringlicher gezeigt, dass „ihre“ Kirche, wie sie es vehement wiederholte, immer noch ein Zufluchtsort ist. Ein Ort der Begegnung. Nicht mehr mit Gottesdiensten und dem stillen Nicken unter einer Predigt – aber immer noch in der Verbindung zum Menschsein. Mit anderen in Kontakt zu kommen, ob über ein Event, das Einbringen im Verein oder den Moment der Stille – das alles öffnet uns für ein Miteinander und für ein Ankommen in uns selbst.
Das war eigentlich mein Wunsch für diese erste Yoga Stunde im Kulturraum Jakobi und möglicherweise hat sie in mir noch viel länger nachgewirkt, als in den Teilnehmern und Teilnehmerinnen und auch das nehme ich einfach mal so hin.
Und als ich am Abend noch einem Schülerkonzert beiwohnen konnte, sah ich es wieder. Dieses innere Licht, ja geradezu Strahlen und nicht nur den Willen sich miteinander auszutauschen und in diesem Fall über Musik miteinander zu verbinden, sondern auch die aktive Umsetzung dessen, was Gemeinsamkeit schaffen kann. Ein Raum voller Zugewandtheit und Verbindung im Außen wie im Innern.
Ich spürte, wie sich ein Kreis schloss und erschöpft aber mit einem kleinen Lächeln fielen mir später die Augen zu. Und ich trage mir den Tag nun unter dankbar und erfüllt ein.
